Der ÔÇ×Rote OstermontagÔÇť von 1518

Eine heute fast vergessene ├ťberlieferung berichtet, da├č w├Ąhrend des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges eine wehrlose Volksmenge zwischen S├╝chteln und Lobberich in schauriger Weise niedergemetzelt worden sei und die Toten in Haufen beieinandergelegen h├Ątten. Wie durchweg alles Sagenhafte, hat auch diese Geschichte einen wahren Kern. Freilich trug sich das Ereignis von dem hier die Rede sein soll, mehr als hundert Jahre fr├╝her zu, aber in ihrer freigestalteten Art verlegte es die Volkspoesie in die bewegte Zeit des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges, bis es allm├Ąhlich immer mehr in Vergessenheit geriet.

 Durch die Erfindung der Feuerwaffen erfuhr das Kriegswesen eine v├Âllige Ver├Ąnderung. Die schwerbepanzerten Ritterheere l├Âsten sich auf und S├Âldner dienten jedem, der ihnen Freund war und den entsprechenden Sold zahlte, konnten aber auch allen schaden, die ihnen nichts mehr n├╝tzten. Das war zumeist der Fall, wenn die Landsknechtsscharen am Ende eines Krieges kurzerhand entlassen wurden; denn niemand dachte damals daran, sie in Standquartieren zu vereinigen. In gr├Â├čerer und kleinerer Zahl zogen die arbeitslosen S├Âldner bald hierhin, bald dorthin und wurden schnell zu einer allgemeinen Plage, der die Landbev├Âlkerung fast immer schutzlos ausgeliefert war, zumal sich gerne zu ihnen berufsm├Ą├čige R├Ąuber, Wegelagerer und Strolche aller Art gesellten.

So war es im Fr├╝hjahr 1518, als eine brotlos gewordene S├Âldnergruppe von etwa 8.000 Mann, die unter dem Namen ÔÇ×Der schwarze HaufenÔÇť bekannt war und schon einige Jahre fr├╝her den Niederrhein beunruhigt hatte, vom Rhein her durch H├╝ls und Kempen sich nach der Maas hin w├Ąlzte. Da das Ger├╝cht sich verbreitete, da├č die S├Âldner planten, J├╝lich und Moers in ihre Gewalt zu bringen, bot Herzog Johann von J├╝lich-Kleve-Berg seinen Heerbann auf. Kurk├Âln und Brabant schickten ihm Hilfstruppen. In der Karwoche begann das gro├če Kesseltreiben. Am Gr├╝ndonnerstag lagerte in D├╝lken der Junker von Rennenberg mit einer stattlichen Reiterabteilung, zu der sich aus nah und fern eine Anzahl Edelherren gesellte, als ginge es zu einer fr├Âhlichen Jagd. Tags vorher war der Drost von Millen mit etlichen Reitern in Br├╝ggen eingetroffen, ├╝bernachtete dort, um sich sodann den ├╝brigen K├Ąmpfern anzuschlie├čen. Die dem j├╝lichen Aufgebot beigegebenen Gesch├╝tze f├╝hrte der Vogt von Dahlen.

Angesichts einer solchen ├ťbermacht, baten die Landsknechte in einer dem├╝tigen Schrift den Herzog Johann ihnen doch nichts zuleide zu tun; sie h├Ątten seine Untertanen doch nur um ein St├╝ck Brot gesch├Ądigt. W├Ąhrend man Verhandlungen pflog und den S├Âldnern freien Abzug zusicherte, wenn sie ihre Waffen auslieferten, nahm der j├╝liche Heerbann Aufstellung am Windberg in S├╝chteln, zwischen Dornbusch und Hagenbroich, erhielt aber bald den Befehl, nicht weiter vorzur├╝cken. Am Ostermontag geschah dann das Unerh├Ârte. In Reih und Glied zogen die S├Âldner den vereinigten Heeren entgegen, um ihre Waffen niederzulegen. Durch ein Missverst├Ąndnis oder wie die Landsknechte nachher behaupteten, durch die Schuld des Grafen von Nassau oder auch, wie sp├Ąter Herzog Johann sich ├Ąu├čerte, ÔÇ×durch Gottes WillenÔÇť, fielen die brabantischen Reiter ├╝ber die ahnungslosen S├Âldner her und richteten unter ihnen ein f├╝rchterliches Blutbad an, so da├č nahezu 800 Mann umkamen. Der Rest fl├╝chtete in Richtung Venlo.

Eine gro├če Verlegenheit ob dieser w├╝rdelosen Tat mag sich der F├╝hrer bem├Ąchtigt haben. Herzog Johann ritt mit seinem Gefolge zur Landesburg Br├╝ggen und blieb dort bis zum Donnerstag nach Ostern. Obgleich man die hohen G├Ąste reichlich bewirtete, wird niemand des ÔÇ×Roten OstermontagsÔÇť froh gewesen sein, wenigstens ist etwas ├Ąhnliches sp├Ąter nicht mehr vorgefallen.

Zeitgen├Âssische Darstellung einer Landsknechteschlacht im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg

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