Die große Feuersbrunst von 1677

Am St. Magdalenentage ( dem 22. Juli ) im Jahre 1677 schlug der Blitz in die Scheune des Mosterzhofes ( Hochstraße 79 ) ein. Nach wenigen Augenblicken brannte das ganze Gehöft lichterloh. Der Wind trieb die Funken in die StrohdĂ€cher der NachbarhĂ€user. AngsterfĂŒllt stĂŒrzten alle BĂŒrger auf die Straßen. Handfeste MĂ€nner mit langen Brandhaken und ledernen Eimern eilten zur BrandstĂ€tte, um sie abzudĂ€mmen. Aber es war schon zu spĂ€t. Zwischen Hoch-, Kuckuck- und Gebrandstraße wogte ein gewaltiges Flammenmeer, das alles zermalmte, was ihm hindernd im Wege stand. Frauen und Kinder rangen die HĂ€nde zum Himmel und flehten um Gottes Hilfe. Vom Kirchturme her kam der durchdringende Schrei der Brandglocke, um auch aus der Umgebung alle herbeizurufen, die helfen konnten. Aber erst mehrere Tage nachher war der gewaltige Brand gelöscht.

Insgesamt 40 HĂ€user, Scheunen und Stallungen sollen damals ein Raub der Flammen geworden sein. In vergilbten Papieren fanden sich folgende namhaft aufgefĂŒhrten GebĂ€ude: Luttengut, Fyengut, Wullenmeistershaus, Rathaus im Kuckuck, PeschmannshĂ€uschen, Heimeshaus, Pauly-Abspliß, Stappisgut und Klein-Hinkeshaus sowie der Mosterzhof. Die vom UnglĂŒck betroffenen standen nun der bittersten Not gegenĂŒber. Keine Versicherung leistete Schadenersatz. Den Abgebrannten blieb nichts anderes ĂŒbrig, als in der Umgebung von Haus zu Haus zu ziehen und um eine UnterstĂŒtzung oder Beisteuer zu bitten.

Von diesem UnglĂŒckstage ab wurde der Name Gebrandstraße gebrĂ€uchlich ( noch 1583 Gemeine Neue BĂŒrgerstraße - 1684 Uff Dem Gebrandten Platz - 1708 Uffm Gebrandt – heute Gebrandstraße ). In einem amtlichen Schreiben vom 12. November 1677 heißt es, daß nach „jĂŒngst gewesener Feuersbrunst der Fleck dergestalt in Untergang geraten, daß die WĂ€lle und Pforten nicht instand gehalten“ werden könnten.

FĂŒnfzig Jahre nach dem großen Brande, am 6. August 1726, schloß die Gemeinde SĂŒchteln mit Meister Heinrich Kessels von Kempen einen Vertrag, eine Brandspritze von rotem Kupfer, wie die grĂ¶ĂŸte in Kempen, in drei Monaten gegen eine EntschĂ€digung von 22 Pistolen ( MĂŒnzen, die nach der spanischen Stadt Pistolia benannt sind ) zu liefern. Zur Bedienung und Bespannung der Spritze konnte jeder Eingesessene verpflichtet werden, ohne dafĂŒr eine Besoldung verlangen zu können
( Hand- und Spanndienstpflicht ).

Das Viertel zwischen “Kuckuckstr.”- “Hochstr.” und “Gemeine Neue BĂŒrger Str.” wurde durch die Feuersbrunst vollstĂ€ndig zerstört. Viele angrenzende WohnhĂ€user und Gehöfte wurden ebenfalls zerstört oder stark in Mitleidenschaft gezogen. Von da an nannte man  die “Neue BĂŒrger Straße” nur noch “Uff Dem Gebrandten Platz” ( heute Gebrandstraße )

Die Gebrandstraße um 1920 ( im Hintergrund der Schornstein der
ehemaligen FĂ€rberei Dupont an der Ecke Hindenburgstraße und Westring )

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