Civis Soetelenus Sum

Neben den vielen ungenannten oder unbekannten S├╝chtelnern ├╝berall auf der Welt und denen, derer bereits hier auf Soetele.de mit eigenen Geschichten gedacht wurde, wie z.B. Albert Vigoleis Thelen ( Don Vigo ), Johann von S├╝chteln, Hermann Bongard, Aegidius von S├╝chteln oder die ber├╝hmten S├╝chtelner Maler um die ÔÇ×Drei SchmitzeÔÇť, m├Âchte ich hier an einige ganz besondere Menschen erinnern, deren Wirken, weit ├╝ber die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus, bedeutenden Einfluss hatte:

 

Matthias NETHENUS ( 1618 - 1686 )

Geboren am 27. Oktober 1618 in S├╝chteln. Matthias Nethenus war der Sohn eines reformierten Pastors und besuchte bereits 14j├Ąhrig ( ab 1632 ) das Gymnasium in Wesel. W├Ąhrend des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges wurde er 1634 auf einer Reise von Soldaten aufgegriffen, nach Geldern gebracht und dort einige Wochen gefangen gehalten. Nach der Freilassung setzte er seine Studien der Philosophie und Theologie in K├Âln, Frankfurt, Harderwijk ( 1639/40 ), Deventer ( 1640/42 ) und Utrecht ( 1642/44 ) fort. Von 1646 an war er Prediger und Rektor der reformierten Gemeinde Kleve. 1648 ├╝bernahm er auch die Leitung der reformierten Lateinschule. 1653/54 erhielt er durch die Vermittlung von Gisbert Voetius einen Ruf als Professor der Theologie nach Utrecht. Nachdem er 1660 England bereist hatte, geriet er nach der R├╝ckkehr in einen heftigen Meinungsstreit mit seinen Vorgesetzten. Als er n├Ąmlich dort mit der Streitschrift ÔÇ×Accoordt der t'samentlicke Dienaren des Goddelicken WoordtsÔÇť ( Abhandlung ├╝ber die Transsubstantiation nach den Zeugnissen der Heiligen Schriften ) in den schwebenden Streit ├╝ber die reformierten Kapitelg├╝ter eingriff und dabei seinen Gegner Samuel Maresius herausforderte, wurde er am 10.4.1662 vom Utrechter Rat abgesetzt. Er lebte als Privatgelehrter in der Stadt, bis 1669 seine Berufung an die Theologische Fakult├Ąt der Hohen Schule und als Pastor Primarius nach Herborn erfolgte. Seit 1682 war er auch Inspektor der Herborner Predigerklasse. Sein Tod verhinderte 1686 eine Berufung an die Hohe Landesschule Hanau. Nethenus geh├Ârte zu den letzten reformierten Theologen, die das Erbe der Dordrechter Synode von 1618/19 bewahrten und bek├Ąmpfte daher sowohl Arminianer als auch den sich ausbreitenden Cartesianismus. Matthias Nethenus starb unverheiratet am 9. Oktober 1686 in Herborn.

 

Reinhold GREUTER ( 1627 - 1687 )

Geboren 1627 in S├╝chteln. Seine Eltern bewohnten wohl das Greutersgut ( heute Hochstra├če 16 ). Als Zwanzigj├Ąhriger trat Reinhold Greuter 1647 in die Abtei des K├Âlner Benediktinerklosters St. Pantaleon ein und empfing dort 1652 die Priesterweihe. Von 1656 an wirkte er als Vikar in Niederembt bei Bedburg an der Erft und verwaltete von 1669 bis 1672 die Kellermeisterei seines Klosters in K├Âln. Hierauf wurde er wiederum nach Niederembt berufen, wo er fortan 12 Jahre lang als Pfarrer t├Ątig war. Damals begann Ludwig XIV. seinen zweiten Krieg gegen Holland und Pastor Greuter erwarb sich gro├če Verdienste, indem er mutig und unerschrocken raubenden und pl├╝ndernden Scharen entgegentrat und dadurch seine Gemeinde vor empfindlichen Sch├Ąden bewahrte. Als Nachfolger des verstorbenen Abtes Aegidius Romanus trat Reinhold Greuter am 30. Juli 1684 an die Spitze der Abtei St. Pantaleon. ( Sein Vorg├Ąnger, Abt Aegidius Romanus veranlasste 1664 den Bau der heutigen Kapelle auf dem Heiligenberg in S├╝chteln und stattete sie 17 Jahre sp├Ąter mit dem erhaltenen Barockaltar aus, daran eine Inschrift erinnert: ÔÇ×Zur Ehre der allerheiligsten Dreifaltigkeit, wie auch der seligsten Jungfrau Maria und der heiligen Jungfrau Irmgardis, Patronin dieses Ortes, hat diesen Altar errichten lassen der ehrw├╝rdige Herr Aegidius Romanus, Abt vom Orden des heiligen Benediktus in der Abtei St. Pantaleon zu K├Âln und erster Pr├Ąses der Kongregation von Bursfeld, im Jahre 1681ÔÇť ). Abt Reinhold Greuter verschied 60 j├Ąhrig am 23. September 1687.

 

Heinrich BENZENBERG ( 1744 - 1809 )

Geboren am 17. November 1744 in S├╝chteln. Sein Vater war der reformierte S├╝chtelner Schulmeister Johannes Benzenberg. Heinrich studierte in Duisburg Theologie und wirkte als reformierter Prediger zuerst in der Delling und dann von 1771 bis zu seinem Tode in Sch├Âller bei Mettmann, wo er am 25. M├Ąrz 1809 am Brustfieber starb. Er verfasste eine Reihe gr├Â├čerer und kleinerer theologischer Schriften, haupts├Ąchlich zur Bibelexegese, ÔÇ×voll Wi├čbegierde und Eifer, der
erkannten Wahrheit zu huldigen und zu ihrer Verdeutlichung und Verbreitung kr├Ąftig mitzuwirkenÔÇť. Seinem Sohn, dem 1777 geborenen Physiker, Astronom, Naturforscher und Schriftsteller Johann Friedrich Benzenberg, gelang am 10.10.1804 der erste wissenschaftliche Beweis f├╝r die von Kopernikus aufgestellte Theorie ├╝ber die Rotation der Erde ( der Foucault'sche Pendelversuch erfolgte erst 1851 ).

 

Heinrich BISPELS ( 1757 - 1808 )

Geboren am 21. April 1757 in S├╝chteln. Nach seiner beruflichen Ausbildung und dem Empfang der Priesterweihe wurde er 1784 zum Pfarrer in Angermund ernannt. Es wird ihm nachger├╝hmt, dass er ein kluger und gebildeter Mann gewesen sei, der als ÔÇ×flei├čiger SammlerÔÇť eine von 1784 bis 1808 gef├╝hrte Chronik aufzeichnete, die teils deutsch, teils lateinisch und stellenweise auch franz├Âsisch geschrieben und deshalb sehr lesenswert ist, weil sie ausf├╝hrlich die Zeit der gro├čen Franz├Âsischen Revolution und Napoleons I. darstellt. Dabei erf├╝llt Bispels die Fortentwicklung der Revolution und der abenteuerliche Aufstieg Napoleons mit gro├čer Sorge. Neben den Ereignissen der Weltgeschichte bietet die Chronik auch manches aus der Geschichte der Heimat, so ├╝ber den verh├Ąngnisvollen Eisgang des Rheines im Winter 1797/98 und den f├╝r S├╝chteln verderblichen Hagelschlag am 10. Mai 1800. Erst 52 Jahre alt, entschlief Heinrich Bispels 1808 in Angermund.

 

Richard FREUDENBERG ( 1826 - 1913 )

Geboren am 11. August 1826 in S├╝chteln. Richard Freudenberg war eine der schillernsten Pers├Ânlichkeiten S├╝chtelns. Er begann seine berufliche T├Ątigkeit in S├╝chteln zun├Ąchst als Samtfabrikant. Von 1857-1860 war er 1. Beigeordneter und von 1860-1864 amtierte er als B├╝rgermeister der Stadt S├╝chteln. Besonderes Engagement zeigte er als Verhandlungsf├╝hrer der S├╝chtelner Interessengruppe um die Eisenbahn- anbindung Viersen-Venlo. Sein n├Ąchstes Projekt wurde dann die Crefeld-Kreis Kempener-Industrie-Eisenbahn-Gesellschaft, deren Spezialdirektor er 1868 wurde. Dieses Unternehmen endete jedoch nach mehreren ungl├╝cklichen Finanzierungs- modellen im M├Ąrz 1874 in einem Konkurs; Freudenberg wurde als Mitverant- wortlicher daf├╝r verurteilt und inhaftiert. Trotz alledem verlor Richard Freudenberg in keiner Weise die Sympathie der S├╝chtelner. Als feinsinniger Mundartdichter und Verfasser verschiedener Romane, aber auch als erster Besitzer eines Automobils 1890 in S├╝chteln, hatte er sich einen Ruf erworben. 1895 gr├╝ndete er mit seinem Bruder Otto zusammen die erste deutsche Kapokfabrik in S├╝chteln. Die Erinnerungen an sein bewegtes Leben hat ÔÇ×OnkelÔÇť Richard, der 1913 in S├╝chteln verschied, in dem 1916 posthum erschienenen Buch ÔÇ×Seit neunzig JahrenÔÇť niedergelegt.

 

Peter Gottfried Josef TERHAAG ( 1832 - 1903 )

Geboren am 19. M├Ąrz 1832 in S├╝chteln. Er besuchte die Lateinschule in Viersen und das Gymnasium in M├Ânchengladbach, trat jedoch bald in das elterliche Samt- und Seidengesch├Ąft in S├╝chteln ein. Er zeigte aber f├╝r den kaufm├Ąnnischen Beruf wenig Geschick und Neigung. Daher nahm er 1851 in K├Âln seine Studien wieder auf. Zwei Jahre sp├Ąter fand er als Frater Romuald Aufnahme in das Franziskanernoviziat zu Warendorf in Westfalen; in Paderborn empfing er am 20. M├Ąrz 1858 die Priester- weihe. Vor├╝bergehend in Wiedenbr├╝ck, Werl, D├╝sseldorf und Aachen t├Ątig, verbrachte Pater Romuald sodann 40 Jahre im Kloster auf dem Appolinarisberg zu Remagen. Hier hat er als Wohlt├Ąter und priesterlicher Berater durch rastloses, uneigenn├╝tziges Arbeiten und Opfern Gro├čes und Beneidenswertes geleistet und dadurch eine selten weitreichende Volkst├╝mlichkeit erlangt. Sie wurde besonders bei seinem goldenen Ordensjubil├Ąum am 12. November 1902 offenkundig. Er ├╝berlebte diesen Ehrentag aber nur kurz. Am 21. Mai 1903 verschied er im Rufe der Heiligkeit.

 

Franz HOLTZ ( 1838 - 1920 )

Geboren am 21. November 1838 in S├╝chteln. Franz Holtz hatte nach dem fr├╝hen Tod seines Vaters u.a. die damals bedeutende Getreide- und Oelm├╝hle an der Niers ├╝bernommen. Die bereits 1404 erw├Ąhnte, fr├╝her unter den Namen ÔÇ×M├╝hle an der NeersenÔÇť oder ÔÇ×Fliegenm├╝hleÔÇť bekannte M├╝hle, kam 1792 in den Besitz der Familie Holtz. Dank Franz Holtz trat sie mit modernen Einrichtungen ( 1853 eine der ersten Dampfmaschinen in S├╝chteln ) in das Industriezeitalter ein. Links neben der Holtzm├╝hle lie├č Franz Holtz um 1875 ein Wohnhaus erbauen. Das f├╝nfachsige, zweigeschossige Geb├Ąude im Stil franz├Âsischen Neubarocks, die ÔÇ×Villa HoltzÔÇť, tr├Ągt noch heute seinen Familiennamen. Als Stadtverordneter in S├╝chteln und als Mitglied des Kreistages bem├╝hte er sich besonders darum, Industrien heranzuziehen oder sonst Verdienstm├Âglichkeiten zu schaffen. Jahrzehntelang war er erster Kreisdeputierter und hat h├Ąufig, selbst bei wichtigen Verhandlungen, den Landrat vertreten. Sehr rege bet├Ątigte Franz Holtz sich auch als Mitglied der Handelskammer in Krefeld und seine Verdienste um die Hebung der Industrie wurden durch die Verleihung des Titels eines Kommerzienrats anerkannt. Franz Holtz beschr├Ąnkte sich jedoch nicht darauf, zu planen und zu beraten, sondern war auch in seinen eigenen Unternehmungen ├╝beraus erfolgreich. Lange war er Eigent├╝mer der Broichm├╝hle in Neuwerk, der Borner M├╝hle an der Schwalm, der Oedter M├╝hle, der Nelsenm├╝hle und ( seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz ) der Tr├Ąnkenm├╝hle ( vor dem ehemaligen S├╝chtelner Tor ) in D├╝lken ( ÔÇ×Alte D├╝lkener Narrenm├╝hleÔÇť ). Gemeinsam mit einem Verwandten gr├╝ndete Franz Holtz 1881 in M├Ânchengladbach-Neuwerk die Firma Goertz, Clay und Co. und erwarb 1888 ein Fabrikgel├Ąnde in Uerdingen, um hier in gro├čem Umfang die Verarbeitung von Leinsaat aufzunehmen. Hier gr├╝ndete er die Firma Holtz und Willemsen, die sp├Ąteren HOWINOL-Werke, die sich zu einer der namhaftesten Oelm├╝hlen des Festlandes entwickelte und dazu f├╝hrte, dass der S├╝chtelner Franz Holtz einer der angesehensten Unternehmer am Niederrhein wurde. W├Ąhrend einer Sitzung im S├╝chtelner Stadtrat im Jahre 1911 erlitt Franz Holtz einen Schlaganfall, der seiner ├Âffentlichen T├Ątigkeit ein Ende setzte. Er verbrachte hier noch einen geruhsamen Lebensabend und verstarb hochbetagt am 29. Dezember 1920.

 

Wilhelm LING ( 1843 - 1912 )

Geboren am 14. August 1843. Der k├Ânigliche Kommerzienrat Wilhelm Ling aus S├╝chteln ( Inhaber des Roten Adlerordens IV. Klasse ) war von 1880 bis 1889 und von 1896 bis zu seinem Tode Stadtverordneter der Stadt S├╝chteln. Von 1891 bis 1898 war er au├čerdem unbesoldeter Beigeordneter. In seiner Eigenschaft als Mitglied des Kreistages, der verschiedenen st├Ądtischen Kommissionen sowie der Sparkassen- verwaltung bekleidete er weitere wichtige Ehren├Ąmter. Wilhelm Ling war Mitbegr├╝nder und 1. Vorsitzender des S├╝chtelner Versch├Ânerungsvereins. Als Fabrikant war er 1877 Gr├╝nder und Mitinhaber der S├╝chtelner Textil-Fabrik Ling & ( Friedrich-Wilhelm ) Duhr. Verheiratet war er mit Josefine Ling, geb. Lehnen. Er hinterlie├č zwei Kinder ( sein Sohn Peter Ling war in den 1920er Jahren Vorsitzender des S├╝chtelner Versch├Ânerungsvereins ). Wilhelm Ling┬┤s Wohnhaus an der Hindenburgstra├če 34, das er 1899 gemeinsam mit dem Krefelder Architekten Hugo Koch in repr├Ąsentativen Jugendstil f├╝r seine h├╝bsche Frau Josefine bauen lie├č, vermittelt noch heute einen Eindruck des einstigen Wohlstands. Wilhelm Ling, der am 30. Dezember 1912 verstarb wurde unter gro├čer Anteilnahme der S├╝chtelner Bev├Âlkerung auf dem hiesigen Waldfriedhof beigesetzt.

 

Dr. phil. Mathias Jacob HACKS ( 1863 - 1920 )

Geboren am 06. Juni 1863 in S├╝chteln. Hacks studierte in Bonn, dann in Mailand Mathematik und Naturwissenschaften. In Bonn 1887 aufgrund einer gekr├Ânten Preisschrift zum Dr. phil. promoviert. Im selben Jahr Pr├╝fung f├╝r das Lehramt der h├Âheren Schulen. Probejahr auf dem Gymnasium Crefeld. Milit├Ąrpflicht in M├╝nchen. Danach Hilfslehrer an verschiedenen Schulen. Ab 1. April 1894 als Oberlehrer, sp├Ąter als Direktor am st├Ądtischen Gmynasium Kattowitz. Sein wissenschaftliches Werk umfa├čt mehr als 20 B├Ąnde. 1908 sozialdemokratischer Stadtverordnetenvorsteher in Kattowitz. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts war Jacob Hacks Stadtschulrat von Breslau. Die Wertsch├Ątzung seiner Lebensleistung fand unter anderem in der Verleihung seines Namens an eine Breslauer Schule ( 1927 ) ihren Ausdruck. Der Schriftsteller Arnold Zweig, der Jacob Hacks als wichtige jugendliche Bezugsperson nannte, gab ihm in seinem Buch "Fr├╝chtekorb" eine Laudatio, die ihresgleichen sucht. ( Dr. Mathias Jacob Hacks ist der Gro├čvater des gro├čen Dramatikers Peter Hacks. Die Stadt Breslau f├╝hrt den Enkel als bedeutenden Sohn. ) Mathias Jacob Hacks verstarb am 06. Januar 1920 in Breslau.

 

Heinrich K├ľSTERS ( 1868 - 1923 )

Geboren am 24. Juni 1868 in S├╝chteln. Sein Vater war Lehrer in der Honschaft Dornbusch. Nach dem Besuch der Rektoratschule in Lobberich und des Thom├Ąums in Kempen studierte K├Âsters an der Akademie zu M├╝nster klassische Philologie und Germanistik. Er erlangte 1893 die Doktorw├╝rde und bestand ein halbes Jahr sp├Ąter das Staatsexamen. Bis zum 1. April 1899 war er an h├Âheren Schulen in Warburg und Coesfeld t├Ątig, dann bis 1904 als Oberlehrer am Gymnasium in Viersen. In der Folgezeit erhielt er die Berufung als Kreisschulinspektor in Geldern, anschlie├čend in M├Ânchengladbach, als Seminardirektor in Schneidem├╝hl, als Direktor der Augusta-Viktoria-Schule in Trier und endlich als Oberschulrat im Provinzialschulkollegium in Koblenz. Hier entschlief er unerwartet am 27. Oktober 1923. Zahlreiche mundartliche Gedichte k├╝nden noch von seiner frohen, volksverbundenen Lebensart.

 

Karl Matthias SCHIFFER ( 1869 - 1928 )

Geboren am 2. Oktober 1869 in S├╝chteln. Schiffers Eltern lebten in der Honschaft Sittard. Der Vater, ein Seidenweber, war Johann Hermann Schiffer und die Mutter war Elisabeth Barfoeths. Bis zum 14. Lebensjahr, von 1875 bis 1883, besuchte er die Volksschule S├╝chteln-Sittard, war sodann f├╝nf Jahre als Samtweber in Krefeld besch├Ąftigt und weiterhin bis 1894 als Baumwollweber im M├╝nsterland. Nachdem er ferner von 1894 bis 1899 Webmeister in Bocholt in Westfalen gewesen war, kehrte er nach Krefeld zur├╝ck, wurde Gewerkschaftsangestellter und Schriftleiter der Textil- arbeiterzeitung, deren Herausgabe er sieben Jahre lang besorgte. Mehrere volks- wirtschaftliche Abhandlungen und gewerkschaftliche Brosch├╝ren sind damals und in der Folgezeit von Karl Matthias Schiffer verfasst worden. In den Jahren 1903 und 1904 geh├Ârte er dem Krefelder Stadtrat an, verzog jedoch im November 1905 nach D├╝sseldorf. Nun begann ein schneller Aufstieg zu den h├Âchsten ├ämtern. Das Vertrauen seiner Berufsgenossen berief ihn zum Vorsitzenden des christlichen Textilarbeiter-Verbandes und von 1905 bis 1915 war er au├čerdem Ausschuss- vorsitzender des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Vier Jahre, von 1906 bis 1910, bet├Ątigte er sich einflussreich als Stadtverordneter in D├╝sseldorf und 1908 wurde er Hauptvorstandsmitglied des Volksvereins f├╝r das katholische Deutschland. Zu allem war er noch Ausschussmitglied der Gesellschaft f├╝r soziale Reform. Inzwischen wurde Karl Matthias Schiffer 1907 vom westf├Ąlischen Wahlkreis Recklinghausen-Borken in den Reichstag nach Berlin entsandt, dem er ununterbrochen bis 1919 zugeh├Ârte. Als nach dem Ende des ersten Weltkrieges der Reichstag aufgel├Âst und statt dessen eine verfassungsgebende Nationalversammlung gebildet wurde, war Schiffer einer der ersten Abgeordneten. Im Mai 1920 siedelte er von D├╝sseldorf nach Berlin-Charlottenburg ├╝ber. Schiffer verstarb 1928 in Berlin.

 

Wilhelm KUHLEN ( 1869 - 1953 )

Geboren im Jahre 1869 in S├╝chteln. Wilhelm Kuhlen verlebte hier eine frohe Jugend im Kreise seiner Altersgenossen. In sp├Ąteren Jahren war er beruflich au├čerhalb S├╝chtelns t├Ątig, kehrte aber im M├Ąrz 1924 in seine Vaterstadt zur├╝ck, wo ihn das Vertrauen seiner Mitb├╝rger am 20. Mai 1927 zum Beigeordneten der Stadt S├╝chteln berief. Dieses Ehrenamt bekleidete er bis zum 30. September 1935. Ehrenamtlich t├Ątig war er au├čerdem lange Jahre als Jagdvorsteher, als Schiedsmann und als Mitglied des Sparkassenvorstandes. Besonders bekannt wurde Wilhelm Kuhlen durch seine heimatkundlichen Plaudereien und Abhandlungen, vielfach in echtem ÔÇ×S├ÂtelschÔÇť Platt geschrieben, in denen die Gestalten seiner Jugend und viele Anekdoten aus der Zeit vor der Jahrhundertwende der Nachwelt erhalten wurden. In dem Heimatb├╝chlein ÔÇ×Erinnerungen an Alt-S├╝chtelnÔÇť sind diese Abhandlungen zusammengefasst und bilden f├╝r jeden Heimatfreund eine Fundgrube heimatkundlichen Wissens, von Sitten und alten Br├Ąuchen. Wilhelm Kuhlen verstarb kurz nach Vollendung seines 84. Lebens- jahres im Oktober 1953 in einem Krefelder Krankenhaus und fand auf dem S├╝chtelner Waldfriedhof am Heiligenberg seine letzte Ruhest├Ątte.

 

Matthias Heinrich KLA├čES ( 1876 - 1939 )

Geboren am 27. Februar 1876 in S├╝chteln. Der Sohn eines Landwirts trat nach dem Besuch des Thom├Ąums in Kempen 1897 zu Venlo dem Orden der Dominikaner bei und wurde nach theologischen Studien in Venlo und Vechta am 6. Juni 1903 in K├Âln zum Priester geweiht. Als Pater Servatius war Kla├čes fortan im Dominikanerkloster zu D├╝sseldorf t├Ątig und zeichnete sich vor allem durch hervorragende Beredsamkeit aus. W├Ąhrend des ersten Weltkrieges war er drei Jahre als Divisionspfarrer an der Ostfront und dort wegen seiner Leutseligkeit sehr beliebt. Seine ÔÇ×Stimmungsbilder aus Ru├člandÔÇť erschienen in mehreren westdeutschen Zeitungen. Sp├Ąter zeitweilig als Domprediger in K├Âln t├Ątig, blieb doch seine eigentliche Lebensaufgabe die des Volks- missionars und Exerzitienmeisters; er wirkte in allen Teilen Deutschlands. Trotz gro├čer Erfolge war Pater Servatius stets ein bescheidener Ordensmann, der jede Auszeichnung ablehnte. Nach einem kurzen, schmerzvollen Krankenlager verschied er am 29. Juli 1939 in Vorst. Seine letzte Ruhest├Ątte fand er bei seinen Mitbr├╝dern auf dem S├╝dfriedhof in D├╝sseldorf.

 

Josef STEINB├ťCHEL ( 1884 - 1957 )

Geboren im Jahre 1884. Josef Steinb├╝chel leitete zun├Ąchst von 1920 bis 1945 als Hauptgemeindebeamter  ( u.a. auch w├Ąhrend des 2. Weltkrieges ) die Geschicke der Stadt S├╝chteln. 1950 kam er erneut in den Stadtrat und wurde am 24.10.1950 zum B├╝rgermeister S├╝chtelns ( mit nunmehr repr├Ąsentativen Aufgaben ) gew├Ąhlt; ein Amt, das er bis 1956 inne hatte. Steinb├╝chel war der B├╝rgermeister der ÔÇ×Stadt im Gr├╝nenÔÇť. Der Bau der  Waldkampfbahn und der angrenzenden Jugendherberge 1927 geht ebenso auf seine Initiative zur├╝ck wie die Verwirklichung des ersten, 12 Kilometer langen Reitweges Deutschlands in den S├╝chtelner H├Âhen. Josef Steinb├╝chel verstarb nach kurzer Krankheit am 20. April 1957 und wurde vier Tage sp├Ąter, von einem gro├čem Trauerzuge begleitet, auf dem hiesigen Waldfriedhof beigesetzt. Am offenen Grab wurde Josef Steinb├╝chel zum Ehrenb├╝rgermeister der Stadt S├╝chteln ernannt.

 

Dr. Dr. h.c. Karl M├ťLLER ( 1884 - 1964 )

Geboren am 29. Juli 1884 in S├╝chteln. Karl M├╝ller studierte in M├╝nster und Bonn und promovierte in Jena. 1921 wurde der inzwischen in K├Âln t├Ątige Redakteur Direktor der Landwirtschaftskammer Rheinland, verlor diesen Posten jedoch nach 1933 aus politischen Gr├╝nden. 1925 war M├╝ller kurzzeitig Reichsern├Ąhrungsminister im Kabinett Cuno. Nach dem zweiten Weltkrieg geh├Ârte er dem ersten Bundestag an, war Vorsitzender des Ausschusses f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Forsten und beteiligte sich am Aufbau der CDU. M├╝ller wurde 1947 in den ersten Landtag von Nordrhein-Westfalen gew├Ąhlt, dem er bis 1950 angeh├Ârte. 1947/48 war er auch Mitglied des Zonenbeirates der britischen Besatzungszone. Er geh├Ârte dem Deutschen Bundestag seit dessen erster Wahl 1949 bis 1957 an. Papst Pius XII. ehrte den S├╝chtelner Karl M├╝ller f├╝r seine Verdienste um Kirche und soziale Belange durch die Verleihung der Comtur des Silvesterordens, eine Auszeichnung, die ihm der K├Âlner Kardinal Joseph Frings ├╝bermittelte. Karl M├╝ller verstarb am 18. April 1964 in Bonn.

 

Josef DEILMANN ( 1893 - 1957 )

Geboren am 22. Oktober 1893. Nach dem Besuch der Volksschule und der Pr├Ąparandenanstalt  ( 1908-1911 ) besuchte Deilmann bis 1914 das Lehrerseminar in Ratingen. Im Februar 1914 ├╝bernahm er den Unterricht an der Volksschule S├╝chteln- Hagenbroich, den er jedoch bereits Ende 1914 aufgrund seiner Soldatenpflicht unterbrechen musste. Der Vizefeldwebel erhielt 1918 in Flandern einen Kniedurch- schuss und sein rechtes Bein musste amputiert werden. Doch bereits Ende 1918, nach dem Ablegen der 2. Lehrerpr├╝fung in D├╝sseldorf, konnte er wieder vor die Hagen- broicher Kinder treten. 1920 legte Deilmann die Rektorenpr├╝fung ab und heiratete Christina Bonnen. Der Ehe entsprossen zwei S├Âhne und zwei T├Âchter. Er wurde 1926 als erster Lehrer Leiter der Schule Hagenbroich und 1939 verlieh ihm die Reichs- regierung das silberne Verdienstkreuz. Sein vierzigj├Ąhriges Dienstjubil├Ąum brachte 1954 zahlreiche Ehrungen. Am 1. Januar 1956 trat Deilmann in den Ruhestand und erhielt ein Jahr sp├Ąter am 31. Mai 1957 das Bundesverdienstkreuz von Theodor Heuss ÔÇô nicht in erster Linie seiner Verdienste um die Erziehung der Hagenbroicher Kinder wegen, sondern vielmehr um der seltenen Treue willen, mit der er eine selbstgestellte Lebensaufgabe erf├╝llt hat. Seiner trotz K├Ârperbehinderung rastlosen T├Ątigkeit, vor allem in der geschichtlichen Aufkl├Ąrungsarbeit in den Gemeinde- und Pfarrarchiven im J├╝licher Land, verdanken wir heute so manchen sonst vergessenen Einblick in l├Ąngst vergangene Zeiten. Ohne Josef Deilmann w├Ąren vermutlich etliche Urkunden und Dokumente verloren gegangen, h├Ątte er sie nicht aus den modrigen Kellern der alten Pfarr- und Rath├Ąuser gerettet und dokumentiert. 1947 wurde Deilmann die Leitung zum Aufbau eines Kreisarchivs in Kempen angetragen, f├╝r das er bis 1955 diverse Gemeindearchive ordnete und sie in einem provisorischen Archivraum der Kreisberufsschule deponierte. Als Autor vieler gro├čartiger  heimat- kundlicher B├╝cher ( u.a. 1924 ÔÇ×Die Geschichte der Stadt S├╝chtelnÔÇť ) und Beitr├Ąge in den Heimatb├╝chern des Kreises, sowie in der S├╝chtelner Zeitung, in den S├╝chtelner Heimatbl├Ąttern und in vielen etlichen anderen Publikationen, hat er sich nicht nur unter Geschichtsforschern und Heimatfreunden des Kreises einen gro├čen Namen gemacht. Josef Deilmann segnete am 17. Juni 1957 in S├╝chteln das Zeitliche.

 

Peter L├ťTSCHES ( 1899 - 1959 )

Geboren im Jahre 1899 in S├╝chteln. Peter L├╝tsches war bis 1933 einige Jahre Fraktionsf├╝hrer der Zentrums Partei im S├╝chtelner Stadtrat, ging dann nach Holland und wurde dort im zweiten Weltkrieg verhaftet und in ein Konzentrationslager des Dritten Reiches gebracht. Nach Kriegsende geh├Ârte er dem ersten D├╝sseldorfer Stadtrat an, war Mitbegr├╝nder der Organisation der Verfolgten des Nazi-Regimes in Nordrhein-Westfalen und sp├Ąter auch Mitbegr├╝nder des Bundes der Verfolgten des Nazi-Regimes. Peter L├╝tsches verstarb am 4. November 1959, nach langer Krankheit in D├╝sseldorf, wo er auch zur letzten Ruhe gebettet wurde.

 

Jakob ENGELS ( 1901 - 1991 )

Geboren am 27. Juli 1901. Der gelernte Maurer Jakob Engels machte sich bereits Anfang der 1950er Jahre, vor allem aber nach seiner Berentung 1959, als Amateur-Arch├Ąologe und Heimat- und Mundartdichter einen Namen und fand ├╝berregionale Anerkennung f├╝r sein Wirken. Zun├Ąchst hatte er sich der Geologie zugewandt. So trug er seit 1954 eine einzigartige, mehr als 2.000 Exponate umfassende Fossilien- und Gesteinssammlung zusammen. Die meisten St├╝cke hat er in der Umgebung S├╝chtelns, haupts├Ąchlich in der Formsandgrube am Karlsberg ( Freudenberg'sche Grube ) gefunden. Zu den von Engels geborgenen 30 Millionen Jahre alten oligoz├Ąnen Terti├Ąrfossilien z├Ąhlen vor allem Venusmuscheln, Venusherzmuscheln und Herz- muscheln, sowie bis zu mehrere Pfund schwere versteinerte Schnecken, Austern, W├╝rmer, Pflanzen- und Treibholzreste, aber auch Knochen von Seehunden, Z├Ąhne von Haien, einen in Feuerstein konservierten Seeigel und den Wirbel eines Zahnwals. Sp├Ąter wandte sich Jakob Engels, der von 1964 - 1972 das S├╝chtelner Heimatmuseum leitete und 1979 Gr├╝ndungsmitglied der S├╝chtelner Heimatfreunde e.V. war, als Autor und Herausgeber der heimischen Mundart zu. In Buchform sind erschienen die Gedichtsammlung ÔÇ×Effe klee DengeÔÇť, die Erz├Ąhlungen ÔÇ×T├Âsche Bosch on BrokÔÇť sowie die Gedichte und Erz├Ąhlungen ÔÇ×Mensche, wi du on ichÔÇť. Durch sein Mundart-W├Ârterbuch ÔÇ×Oss PlottÔÇť sowie durch viele Beitr├Ąge in den Heimatb├╝chern des Kreises fand er Einzug in die Anthologie rheinischer Mundartautoren. Jakob Engels verstarb hochbetagt am 27. Oktober 1991.

S├╝chteln um 1760

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