Hünengräber in den Süchtelner Höhen

Die Süchtelner Hünengräber gehörten seit Anfang des 20. Jahrhunderts für lange Zeit zu den beliebtesten Anlaufstellen bei den Wanderungen der vielen Besucher in den Süchtelner Höhen. Hinter dem Kreis-Kriegerdenkmal wendete sich der Spaziergänger nach Norden und erreichte nach wenigen hundert Metern die dortigen Hünengräber. Die ganze Anlage umfaßte mehrere Grabhügel in einem gepflegten Gelände am Waldrand. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Wissenschaft in der Erforschung solcher uralter Grabanlagen noch weit vom heutigen Wissensstand entfernt und der Volksglaube nahm hünenhafte Menschen, als die hier Bestatteten an. Manch Großstädter aus Krefeld oder Mönchengladbach mag damals staunend vor diesem Zeugniss der Vergangenheit gestanden und seiner Phantasie über das wilde Leben unserer riesigen Ur-Ahnen freien Lauf gelassen haben.

Heute wissen wir natürlich einiges mehr über die Hünengräber und ihre Erbauer. Solche Gräber entstanden während der Megalith-Kultur. Ihre Erbauer waren die Menschen der Trichterbecherkultur der jüngeren Steinzeit, die diese Großsteingräber meist aus mehreren Tragsteinen und einem oder mehreren Decksteinen, in der Regel benutzte man Findlinge, errichteten. Die Fugen wurden mit kleinen Steinen und Lehm verkittet und das ganze von einem runden oder rechteckigen Hügel aus Erde überwölbt. Diese Gräber wurden von den Sippen oft über Jahrhunderte benutzt.

In den 1970er Jahren zeigte mein Vater mir bei einem Spaziergang in den Süchtelner Höhen den Teil des Waldes, in dem die ehemaligen Hünengräber lagen. Inzwischen von einem Tannenwald überwachsen, erkannte man damals schon kaum noch Konturen der Hügel des einstigen Hünengräberfeldes. Heute kann man deren Lage nur noch erahnen. Aber einige ältere Süchtelner können sich noch gut an die Anlage erinnern, während sie in den offiziellen Verzeichnissen seit etwa 1950 nicht mehr aufgeführt wird. Unter vorgehaltener Hand erzählt man sich hier, daß die Grabanlagen in den Höhen mit Hilfe des Verschönerungsvereins der Stadt Süchteln um 1890 entstanden seien, um die Wanderwege attraktiver zu gestalten. Man habe die mittlerweile überwachsenen Reste der Baustelle des Kreis-Kriegerdenkmals als Hünengrab-Anlage ausgeschmückt und landschaftlich ringsherum entsprechend gestaltet. Wie man auf alten Fotographien und Ansichtskarten erkennt, gehörten die auf die Hügel gestellten Steine ziemlich eindeutig nicht zu einer typisch steinzeitlichen Steinanordnung, wie sie für Megalithkulturen üblich wäre, obgleich diese auch einzelne große Steine aufstellten. Ob die fleißigen Süchtelner Verschönerer nur die Überbleibsel von Bausteinen des nahen Denkmals als Grabsteine auf die bereits vorhandenen, aber nicht sonderlich ansehnlichen uralten Hügel stellten und damit das schon ewig als Grabstätte bekannte Gelände eindrucksvoller gestalteten oder ob auch die Hügel selbst nur Überreste vom Bau des Kriegerdenkmals von 1878 waren, ist leider nicht mehr bekannt.

Fotographie der Hünengräber in den Süchtelner Höhen

Das Hünengrab

Ein Hünengrab liegt still im Wald,
 Von Tannen rings umgeben.
Des Riesen Stimme oft erschallt,
Wenn Stürme es umbeben.

“Laßt mich in meinem Totenschrein,
 Erhaltet mir die Höh’n!”
 So donnert schwer im Tannenhain
Der Riese mit Gestöhn.
 
 â€Streicht schnell und hurtig immer ein,
im Basar die Gelder,
 Dann find’ ich Ruh in meinem Schrein,
Wenn kauft ihr Süchtelns Wälder.”

Alte Ansichtskarte der Süchtelner Hünengräber

Bei Vigoleis liest man über die Hünengräber in den Süchtelner Höhen folgendes:

»Und warum >Hünengräber ohne Hünen<?«

»In rein dichterischer Analogie zu Buri. Du kennst den bewaldeten Strich, zu dem sich das Land im Norden der Stadt aufwirft, >Süchtelner Höhen< genannt. Dort befinden sich mehrere Hünengräber oder Bülzenbetten, die Grabkammern meiner Vorfahren aus der Steinzeit. Skelette und Urnen mit den Überresten der verbrannten Leichen bergen sie aber nicht, denn diese Riesenbetten sind die geniale Schöpfung eines Bürgers, der über ebensoviel Geld wie Phantasie verfügte, Dinge, die sich selten zusammenfinden. Schade nur, daß der Kommerzienrat keinen Menhirologen zugezogen hat, dann hätte selbst der gelehrteste Sonntagsausflügler mit heiligem Schauder vor dem Knochenloch gestanden. [...] Meine mystischen Spekulationen über den schöpferischen Wert des Seinslosen gehen auf diese Vorspiegelungen zurück.«

zurück